Verband für Kleine Münsterländer e.V.

Landesgruppe Anhalt-Sachsen-Thüringen e.V.


Der Hund in der Falknerei

Auf der Suche nach einem geeigneten Hund für die Beizjagd mit dem Habicht

Nachdem ich im März 2011 die Falknerprüfung abgelegt habe, möchte ich mir in diesem Jahr einen Habicht aufstellen. Dazu fehlt noch der passende Hund.
Über zehn Jahre war ich mit meiner Jagdterrierhündin „Conny“ im Harz unterwegs, bei Drückjagden im Wald konnte ich keine vorstehenden Hunde im Einsatz sehen, Stöberhunde,Terrier und Teckel leisteten hier sehr gute Arbeit. Also nahm ich mir vor, noch mal die Fachbücher zu wälzen, die befreundeten Falkner zu befragen, Messen und Prüfungen zubesuchen, um mich dann zu entscheiden.

Doch wie ist der Stand meiner theoretischen Erkenntnisse heute? Schon seit Jahrhunderten begleiten und helfen Hunde den Falknern. Bei den Germanen ist das im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung schriftlich erwähnt. Im Mittelalter wurden diese Vogelhunde auf Gemälden verewigt. So nannte man alle Hunde, die zur Jagd auf Vögel eingesetzt wurden, unabhängig von Größe, Rasse, Haar, quasi quer Beet. „Auch Windhunde waren dabei, die größeres Wild (Trappen, Kraniche, Reiher, Hasen) abfangen mussten, welches der Greifvogel nicht sofort töten konnte.“ (lt.Renz Waller 1936).
Die Hunde sollten Wild aufstöbern, um den Greifvogeln einen Angriff zu ermöglichen (Fasan, Rebhuhn, Ente ,Hase , Kaninchen usw.). Bei der Jagd; dem Beutemachen, spielt der Hund keine Rolle. Erst wieder bei erforderlichen Nachsuchen und auch zum Schutz des Greifvogels, da Krähen und Gänse Ihresgleichen in der Not helfen. Sie attackieren den auf der Beute stehenden Greifvogel.

Peter Hentschel beschreibt 1985 in seinem Buch „Die Beizjagd„ den Einsatz der Hunde wie folgt: Bei großen offenen Flächen auf Rebhuhn, Fasan und Hase eignen sich die englischen Vorstehhunde und der Deutsch Kurzhaar am besten. Bei offenem, leicht gedeckten Gelände, Ödländereien, Schilfpartien auf Fasan, Hase, Kaninchen und Ente sind deutsche Vorstehhunde, Jagdspaniel und Wachtelhunde im Vorteil. Bei geschlossenen lichten Waldbeständen und größeren Feldgehölzen auf Fasan, Kaninchen und Hasen, eignen sich Jagdspaniel, Wachtel und deutsche Vorstehhunde.

Kurt Hussong war 20 Jahre Landesvorsitzender des Deutschen Falknerordens in Bayern. Er präzisiert den Einsatz in seinem Buch „Falknerprüfung-Leitfaden zur Vorbereitung“, geeignete Hunde für Jagd mit dem Anwarterfalken (hoher Flug) sind Pointer, Setter, Deutsch Kurzhaar, Epagneul Breton. Diese Hunde sollen flott und raumgreifend suchen und ausdauernd vorstehen, damit der Wanderfalke die Zeit hat zu steigen, um dann, nach Herausstoßen des Wildes, von oben anzugreifen. Geeignete Hunde für die Jagd mit Greifvögeln vom niederen Flug (Habicht, Rotschwanzbussard, Adler, Harris-Hawk) sind Stöberhunde und Vorstehhunde. Der für ihn klassische Vorstehhund ist der kleine Münsterländer.Er hat keine so weite Suche wie die reinen Feldhunde und stöbert gern im Unterwuchs, was ein Vorteil bei der freien Folge (hier verfolgt der Greifvogel den Hund und Falkner von Baum zu Baum) ist.

In Horst Schönebergs „Falknerei - Der Leitfaden für die Prüfung und Praxis“ (2009 3.Auflage) schreibt Herr Johann Adelhoch zum Thema „Der Hund in der Falknerei“: Am Vogelhund erkennt man den Charakter des Falkners. Der Pointer wird für den hohen Flug verwendet. Der kleine Münsterländer ist als kurzsuchender Vorstehhund wesentlich besser unter dem Habicht zu führen.

Da der Habicht ein Kurzstreckenjäger ist, der im schnellen Überraschungsangriff seine Beuteschlägt, ist die geringere Entfernung des suchenden Hundes vom Falkner, der den Greifvogel auf der Faust trägt, von großem Vorteil. Ein gut beflogener Fasan, im Herbst von einem weitsuchenden Vorstehhund gehoben, wäre für den Habicht nicht mehr einholbar.

Stöberhunde müssen, da sie nicht vorstehen, sofort in die Down-Lage fallen, wenn Beizwild auffliegt oder auf die Läufe kommt. Sie haben den Vorteil im Schilf, wo ein Vorstehhund vorstehen könnte, was man eventuell von außen nicht sieht und somit nicht weiß, was da gerade passiert. Insgesamt gibt man aber dem Vorstehhund den Vorzug.

Renz Waller, ein Urvater der modernen Falknerei, Mitbegründer des DVO; deren langjähriger Vorsitzender, schrieb 1936 in seinem Buch „Der wilde Falk ist mein Gesell“ über die Vogelhunde noch folgendes: Der gebräuchlichste Vogelhund ist der „Kleine Münsterländer„ auch „Heidewachtel“ genannt. Er erwähnt die ideale Größe, damals 40 bis 50 Zentimeter bei Hündinnen und 45 bis 50 Zentimeter bei Rüden. Der „Kleine Münsterländer“ ist für ihn der Hauptvogelhund, anscheinend unabhängig vom Beizwild, vom Gelände und vom geführten Greifvogel. In der Farbe wird hell bevorzugt, fast gefordert.
Die helle Farbe (gern auch rote und gelbe Abzeichen?) habe den Vorteil, dass man den Hund sofort sieht, weil man sich immer auf den Beizvogel und das Beizwild konzentrieren muss. Er bedauert die Verschimmelung und wünscht die Tradition hochzuhalten, dass Falkner die hellen, reinfarbig weiß-braunen oder weiß-schwarzen Hunde zur Beizjagd nehmen. „Die Vorzüge des Kleinen Münsterländers sind Vorstehen im Felde vor Hühnern sowie Stöbern und Lautjagen im Walde. Ohne Hund auf der Beize komme ich mir vor, wie an einem gedeckten Tisch ohne Essbesteck“.

Im Jahre 1982 erschien in der DDR das tschechische Buch „Rassehunde“, in welchem zum Kleinen Münsterländer folgendes steht: Er ist der kleinste aller Vorstehhunde, Nachkomme des altdeutschen langhaarigen Vorstehhundes, aus dem wahrscheinlich durch Kreuzung mit einem Stöberhund die typische Landesrasse entstand. Durch gelenkte Auslese und reinrassige Zucht entstand Anfang des Jahrhunderts ein mittelgroßer Jagdhund mit angewölften Anlagen für das Vorstehen sowie ein ausgezeichneter spur- und fährtensicherer Jagdgebrauchshund. Er hat vorzügliche Anlagen und erfreut sich unter den Jägern immer größerer Beliebtheit. Das Blut des Stöberhundes hat in ihm die Anlage des Vorstehens etwas verdrängt, durch Abrichtung ist diese Anlage wieder zu fördern. Er ist auch nach dem Schuss zu gebrauchen und in Frankreich, vor allem aber in Schweden und Norwegen bei Jägern bei Waldjagden beliebt. Die Raubzeugschärfe ist nicht so ausgeprägt wie bei den übrigen kontinentalenVorstehhunderassen. Ein Gebrauchshund im vielseitigen praktischen Jagdbetrieb. Typische Wesensmerkmale: flüchtige, ausdauernde Suche, selbst unter klimatisch ungünstigen Bedingungen, festes Vorstehen, Spurwille, Spurlaut, Apportierfreudigkeit, Wasserfreudigkeit, Leichtführigkeit.

Nach diesen Recherchen, bin ich mir nun sicher, welche Hunderasse zu mir und meinem Hobby passt. Ich denke, dass der Kleine Münsterländer für mich die beste Wahl ist. Daran wird eine weitere Beschäftigung mit dem Thema wohl nichts mehr ändern. Viele Falknerfreunde im Verband deutscher Falkner, die einen Habicht aufgestellt haben, führen auch diesen Hund, sogar unser Landesvorsitzender und dessen Stellvertreter. Inzwischen habe ich den kleinen Münsterländer schon in der praktischen Jagd erlebt, leider erst im Zusammenhang mit der Falknerei.

Man wäre ja dumm, wenn man diese Erkenntnisse und das Wissen der Falkner, die schon über 30 Jahre in der Materie stehen, ignorieren würde. Die Ausbildung und die Prüfungen werden schwer genug werden, da möchte man nicht noch einen weitjagenden Hund zum kurzjagenden umerziehen müssen, zumal es der erste Vorstehhund überhaupt ist, zu dessen Ausbildung man sich dann konsequenterweise auch entscheiden muss. Ein nicht geprüfter Hund ist ja nicht zulässig für die Jagd. Der unbedingte Gehorsam (Down-Lage) und das Bringenmüssen der Ente zur Prüfung, sonst ist man durchgefallen, macht mir die größten Sorgen. Die Theorie ist die eine Seite, in der Praxis kommt die Stunde der Wahrheit.

An erster Stelle stehen die Brauchbarkeit und die guten Eigenschaften des Hundes. Natürlich soll der Hund auch vom Aussehen her gefallen, das ist auch der Fall.

Ein großes Lob und Kompliment, für ihre Arbeit, an die Hundeführer und Züchter, die diesen harten und mühevollen Weg gegangen sind, um diese Rasse hochzuhalten, um anderen Jägern und Falknern Hunde zur Verfügung stellen zu können, die auch noch von den erblichen Anlagen her Spitze sind und beim Züchter als Welpen bestens auf die spätere Ausbildung vorbereitet werden.

Die Homepage des Landesverbandes ist nach meiner Meinung die beste, die ich bisher besucht habe. Leider fehlt bisher bei allen von mir angeklickten Landesverbänden der Hinweis oder das Hervorheben des Kleinen Münsterländers bezüglich der Eignung als Vogelhund unter dem Falkner bzw. dem Habichtler.

Warum soll man nicht diese positiven Eigenschaften und Eignungen der Rasse, als Hund unter dem Falkner, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen als nur den Falknern und Jägern, die das sowieso schon längst wissen. Hier möchte ich einen Beitrag leisten, der auch dem ideellen Wert dieser Rasse insgesamt Rechnung tragen soll und selbigen steigert.

Machen Sie bitte weiter so, zum Wohl des Kleinen Münsterländers.

Günter Elstermann

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Herrn Elstermann,
der sich mit viel Engagement die Zeit genommen hat, so einen interessanten und aufschlussreichen Bericht über den Einsatz des KlM aus Sicht eines Falkner zu schreiben.